Suchtpotential des Rauchens

Das Suchtpotential des Nikotins ist sehr groß. Von 100 Probierern werden ca. 32 nikotinabhängig, aber nur ca. 26 heroinabhängig.

Wie Experten das Suchtpotential von Drogen einschätzen:

Die Einstufung erfolgte anhand eines Punktesystems, welches sich auf 6 Kriterien für das Suchtpotential einer Substanz bezog, wobei 1 die Punktezahl für das höchste Abhängigkeitspotential einer Substanz war und 7 die Punktezahl für das niedrigste: Am höchsten wurde das Abhängigkeitspotential von Nikotin im Bereich Abhängigkeit eingeschätzt. Hier lag Nikotin nach Heroin an zweiter Stelle in der Bewertung. Im Bereich Verstärkung (des Suchtverhaltens) kam Nikotin nach Heroin und Kokain an dritter Stelle. Lediglich im Bereich Rauscheffekt lag Nikotin an vorletzter Stelle der Rangreihe vor dem Koffein. In der Gesamteinschätzung des Abhängigkeitspotentials lag Nikotin noch vor Cannabis, Ecstasy und Koffein.



Substanz Gesamt- einschätzung Entzugser- scheinungen Verstärkung Toleranz- steigerung Abhängigkeit Rauscheffekt
Koffein 7 7 7 6 7 7
Heroin 1 1 1 1 1 2
Ecstasy 5 5 5 5 5 4
Alkohol 3 4 4 2 4 3
Nikotin 4 3 3 4 2 6
Marihuana 6 6 6 7 6 5
Kokain 2 2 2 3 3 1


Die Zeit, in der der Körper ungefähr die Hälfte des Nikotins abbaut, beträgt eine halbe Stunde. So kommt es, dass das Verlangen nach Nikotin den Raucher bei fast allen Alltagstätigkeiten befällt. Im Laufe der Zeit entwickeln sich so vielfältige Verknüpfungen (Konditionierungen) zwischen dem Rauchen und den Alltagstätigkeiten. Beim Aufhören erinnert den Raucher viel von dem, was er tut, an das Rauchen. Gerade in Stresssituationen, wie beruflichen Anspannungen oder Beziehungsproblemen, fehlt dann dem Ex- Raucher seine bisherige Bewältigungsstrategie.

Im Vergleich mit Erwachsenen rauchen Jugendliche weniger regelmäßig. Der Konsum erfolgt mit geringerer Wahrscheinlichkeit täglich und wenn, dann tendenziell mit einer geringeren Zigarettenanzahl pro Tag. Die Nikotinabhängigkeit kann aber sehr schnell und noch vor einem täglichen Konsum eintreten. Gut ein Fünftel der befragten 12 bis 13 - jährigen Gelegenheitsraucher, die erstmals monatlich rauchten, berichteten von Symptomen der Nikotinabhängigkeit innerhalb der ersten vier Wochen, z.B. von dem Drang zu rauchen, von Nervosität, Konzentrationsproblemen oder Traurigkeit, wenn keine Zigaretten verfügbar sind.

In Feldstudien befragte Schüler verspürten Abhängigkeitssymptome noch bevor sie beim täglichen Konsum angelangt waren. Viele Jugendliche haben den Wunsch, das Zigarettenrauchen wieder aufzugeben.

Die Rückfallquoten von Jugendlichen, die das Rauchen lassen möchten, sind aber sehr hoch. In den USA berichteten die meisten jugendlichen Raucher, die nikotinsüchtig sind, dass sie wünschen, das Rauchen aufzugeben, aber dazu nicht in der Lage sind. Nach einer amerikanischen Studie haben bei 18-jährigen täglichen Rauchern vier Fünftel im letzten Jahr versucht, das Rauchen aufzugeben. Nur gut die Hälfte hielt dies für eine Mindestperiode von zwei Wochen durch. Die Aufgabe des Zigarettenkonsums gelang bei den täglichen Rauchern nur annähernd 3%.