Geschichte des Rauchens

Der Ursprung der Tabakkultur liegt mehr als 3000 Jahre zurück. Indianische Zivilisationen in Amerika fingen an, zusammengerollte Tabakblätter zu rauchen. Diese überdimensionalen Zigarren nannten sie Tabaco. Tabak war sowohl eine Heilpflanze als auch eine heilige Pflanze. Priester und Schamanen nutzten sie, um mit den Göttern in Kontakt zu treten und als Arzneimittel zur Wunddesinfektion oder um Schmerzen zu lindern.

Mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 kamen Tabakanbau und -konsum nach Europa und Afrika, von dort in den Nahen und Fernen Osten und nach Australien. Durch die Handels-beziehungen der Portugiesen und Spanier sowie den enormen Handelswert des Tabaks, verlief die weltweite Ausbreitung im 16. und 17. Jahrhundert außergewöhnlich schnell. Anfang des 18. Jahrhunderts war der Tabak bereits in allen Teilen der Welt bekannt und wurde zum wichtigsten Exportartikel Amerikas.

Der französische Gesandte Jean Nicot brachte 1561 die Tabakpflanze von Lissabon nach Paris und überzeugte dort den französischen Hof von ihrer Heilkraft. Nach ihm wurde der 1828 entdeckte wichtigste Wirkstoff des Tabaks, das Nikotin, benannt. In Deutschland verbreitete sich der Tabakkonsum in Form von Pfeifen-, Kau- und Schnupftabak sehr schnell durch die Soldaten während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648). Allerdings war der legale Verkauf von Tabak als Medizin nur Apotheken gestattet. Im 17. Jahrhundert wurde der Tabakkonsum als heidnische Sitte aus moralischen Gründen verboten.

Die frühe Geschichte des Tabaks in Deutschland ist gekennzeichnet durch viele Gebote und Verbote, die den Tabakkonsum regelten. Zar Michael Feodorowitsch verbot 1634 das Rauchen bei Verlust der Nase. Noch 1691 verordnete die Stadt Lüneburg Gefängnis und Auspeitschung gegen das lüderliche Werk des damals sogenannten Tabaktrinkens. Im Herzogtum Jülich-Berg durfte um 1700 nur derjenige die Pfeife rauchen, der dazu einen Freizettel hatte. Friedrich der Große verbot 1764 das Rauchen wegen Feuergefahr. Solche Verbote bestanden vereinzelt bis 1848. Dies hatte im frühen 19. Jahrhundert auch mit der politischen Situation zu tun: Rauchen in der Öffentlichkeit galt als Ausdruck bürgerlicher Ideale; die während der napoleonischen Kriege ins Land gebrachte Zigarre wurde zum Symbol bürgerlicher Überzeugungen.

Die Zigarette

Zigarettenkonsum war ursprünglich im Osmanischen Reich und in Russland verbreitet. Der dort angebaute Tabak eignete sich dafür besonders. Durch den Krim-Krieg (1854), an dem auch französische und englische Soldaten beteiligt waren, kam der Tabak nach Europa. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente die Zigarette den Soldaten als Psychopharmakon: Rauchen entspannte, unterdrückte Müdigkeit und Hungergefühle und stellte Kontakte her. Fast alle Soldaten rauchten. Weltweit vervierfachte sich der Zigarettenkonsum während des zweiten Weltkriegs. Zwischen 1940 und 1950 war die Versorgung mit Tabak in Deutschland rationiert. Dies führte zu einem Rückgang des Tabakverbrauchs um 50%. Jeder, ob Raucher oder Nichtraucher, bekam Zigaretten zugeteilt. Die Zigarette wurde zum begehrten Tauschobjekt. Es entstand die sog. Zigarettenwährung. Schon in den frühen fünfziger Jahren wurden die ersten großen Studien veröffentlicht, die belegten, dass Rauchen zu Lungenkrebs führen kann. Die Tabakbranche reagierte darauf mit fast perfide zu nennenden Werbestrategien. Die Einführung von Filter- und Leichtzigaretten sollte dem Konsumenten suggerieren, er könne weiter mit Genuss rauchen ohne seine Gesundheit zu gefährden.

Heute entfallen in Deutschland 90% des Tabakverbrauchs auf den Zigarettenkonsum. So wurden 1996 in Deutschland 136.244 Mio. Zigaretten geraucht, 1.359 Mio. Zigarren und Zigarillos. Für selbstgedrehte Zigaretten wurden 16.671 Tonnen Tabak verbraucht, für Pfeifen 1.096 Tonnen.

Die 192 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben im Mai 2003 in Genf die erste Anti-Tabak-Konvention zum weltweiten Kampf gegen das Rauchen verabschiedet. Die in dreijährigen Verhandlungen erzielten Vereinbarungen wurden auf der 56. WHOGeneralversammlung gebilligt. Ziel der Konvention ist es, die Zahl der derzeit jährlich knapp fünf Millionen Todesopfer durch Tabakkonsum zu verringern.

Deutschland hatte im Verlauf der Verhandlungen gemeinsam mit Amerika und Japan vor allem gegen weit reichende Einschränkungen bei der Tabak-Werbung gestimmt. Das Bundesgesundheitsministerium hatte versichert, dass Deutschland die Konvention grundsätzlich unterstütze. Die Bundesregierung bezweifelt aber, dass ein generelles Verbot der Tabakwerbung ein geeignetes Mittel der Prävention sei. Man bevorzuge abgestufte Beschränkungsmaßnahmen.
Was immer das sein soll.....